Hannah Foxwell hat am devopsday 2017 in Zürich erläutert, wie der Mensch auf Veränderung reagiert und warum das so ist.

Aktuell ist „Veränderung“ ein grosses Thema. Hannah beschreibt, wie das menschliche Gehirn funktioniert und erklärt, wie Schuld-Zuweisungen, Stress und fehlendes Vertrauen den Menschen blockieren. Es ist gut, diesen Mechanismus zu kennen, wenn man das Verhalten von Menschen verändern will.

DevOps ist ein aktueller Begriff, der mit Veränderungen zu tun hat. Die meisten reden über Docker Container und andere technischen Innovationen, aber nicht über die Menschen. Der Satz: „tools will not fix your broken culture“ ist ein viel zitierter Satz, der auf das eigentlich Problem aufmerksam macht.

In der DevOps Community spricht man von CALMS (Culture-Automation-Lean-Measurement-Sharing)

Kultur (C) und Sharen (S) beschäftigt sich mit Menschen. 

Kultur bedeutet akzeptierbares und nicht akzetierbares Verhalten, Werte,  Sprache, Annahmen, Bekleidung, etc

DevOps und die Menschen:

Entwickler interessieren sich nicht für die Produktion.
Der Betrieb interessiert sich nicht für neue Funktionen in den Anwendungen.
Und niemand interessiert sich für die Sicherheit.

Menschen lassen eine Kultur entstehen. Sie entsteht aus deren guten und schlechten Eigenschaften. Der folgende Abschnitt zeigt die psychologischen Effekte auf, welche in einem Change-Prozess bei Menschen ablaufen:

Der Entscheidungsprozess im Gehirn, der Effekt von Schuldzuweisungen, von Vertrauen und Stress.

Das Menschliche Gehirn:

Das Reptilien-Hirn ist der älteste Teil des menschlichen Hirns. Es handelt alle Automatismen ab. Das Reptilien-Gehirn enthält viel „legacy code“ und ist schwierig, umzuprogrammieren. Oberste Priorität hat das Überleben, so sind wir programmiert, danach bestimmen Emotionen unser Handeln. Erst ganz zuletzt sind wir rationale Wesen.

Kübler Ross zeigt in ihrem „Emotional Change Cycle“, wie unser Gehirn auf Änderungen reagiert. Es gibt viele Publikationen und Interpretationen dieser Kurve. Bei Änderungen kommt zuerst die Abwehr-Haltung, danach nimmt der Widerstand ab und es geht über in eine Depressionsphase. Darauf folgt ein Anpassungsprozess und schliesslich ergibt sich daraus das Comittment.

Es gibt auch Beschreibungen des positiven Change Cycles. Dabei wird erklärt, wie der Prozess bei Leuten abläuft, die eine Veränderung begrüssen. Hier startet die Kurve mit hoher Energie und Motivation und danach ebenfalls die Depressionsphase, weil es einfach nicht vorwärts geht und schliesslich kommt die Anpassung und das Commitment

Schuldzuweisung

Die Schuld für einen Fehler oder Misserfolg liegt meist nicht nur bei einem einzigen Individuum. Der Mensch neigt jedoch dazu, ein schuldiges Individuum zu suchen und zu finden. Wenn es gefunden ist, haben wir den Fehler, für dessen Schuld jemand herhalten muss, weder korrigiert, noch für die Zukunft verhindert.

Misserfolge müssen als Chance zum Lernen betrachtet werden. Das ist nur möglich in einer Kultur, in der es erlaubt ist, Fehler zu machen.

Es gibt Studien, welche die unglaublichen Leistungen von Gruppen aufzeigen, wenn sich die Gruppen-Mitglieder sicher fühlen. Wir reden hier von emotionaler Sicherheit. Amy Edmondson Harvard University

http://web.mit.edu/curhan/www/docs/Articles/15341_Readings/Group_Performance/Edmondson%20Psychological%20safety.pdf

Wenn man Schuld-Zuweisungen vermeidet, erhöht man sowohl die emotionale Sicherheit der Team-Mitglieder als auch die Bereitschaft zum Lernen.

Vertrauen

Vertrauen ist ein Gefühl und eine Erfahrung. Vertrauen ist aber etwas, das wir erbringen; sei das Vertrauen in einen Menschen, eine Firma, eine Sache etc. Wir entscheiden, wem oder was wir vertrauen wollen oder können.

Trust begets trust

ist ein spannender Satz und er bedeutet:

  • Wenn wir Menschen trauen, trauen uns diese Menschen auch.
  • Wenn wir Menschen misstrauen, misstrauen sie uns auch.
  • Wie immer gibt es Ausnahmen. Jedoch ist dieser  Mechanismus enorm interessant.

Ernest Fehr, Uni ZH

http://www.nature.com/news/2003/030313/full/news030310-8.html

Stress

Stress ist der Feind von Veränderungen. Menschen in Stress verweigern Veränderungen.

Verarbeiten von Stress, negative Effekte, Abwehr von Angriffen braucht Selbstkontrolle. Nach diesen Szenarien  sind Menschen blockiert. In dieser Situation können Menschen nichts verändern und nichts Neues lernen.

 

Das Wichtigste in Kürze:

– Alle sollen helfen, die Kultur zu verbessern.

– Schuldzuweisungen verhindert Veränderungen.

– Vertrauen ist etwas, das man selbst tun muss.

– Technologie kann Stress vermeiden

 

Aus dem Vortrag von Hannah Foxwell https://www.linkedin.com/in/hannah-foxwell-a6881b86/